770 Jahre vor unserer Zeit

770 Jahre vor unserer Zeit, genau am 25. 12. 1246, beginnt die im Stil einer «erweiterten Autobiographie» geschriebene Geschichte über Carolus Paulus, einem jungen Mönch aus dem uralten Kloster von St. Maurice im unteren Wallis (CH).

Ich beginne damit eine Serie von Erzählungen, die den Leser – buchstäblich auf den Tag genau und historisch so genau wie möglich recherchiert – fast fünf Jahre lang bis ins Jahr 1251 führen wird: Dies jeweils so, dass die Leser «770 Jahre später» das Geschehen anhand der fiktiven Erzählung nochmals nachverfolgen kann.

Mehr jedoch als das – in Vielem überraschend aktuelle – geschichtliche Umfeld der damaligen Zeit wird der Leser im Laufe der Erzählungen hinein genommen in die Entwicklung der Person des «Helden» Carolus Paulus, der – nach verträumt-verzweifeltem Beginn – die grossen Abenteuer seiner Zeit miterlebt.

Die eigentliche Erfahrung, die er macht, ist jedoch eine Innerliche: Es sind die fundamentalen Menschheitsthemen der ersten von ihm bewusst wahrgenommenen Fastenzeit in der «Zeit der Anfänge», die ihn in Kaskaden von Erlebnissen einer riesigen Reise «durch das Imperium» in insgesamt sieben grossen Schritten zum Mann reifen lassen.

Der Anfang all dieser Ereignisse ist jetzt als Buch erschienen: «INITIA – Zeit der Anfänge»

Viele weitere Informationen in deutscher und englischer Sprache finden sich auf den folgenden Webseiten:

Deutsch:             https://pierremaurice7.wordpress.com/

http://theodisce.vita-caroli.com

Englisch:              http://pierre-maurice.vita-caroli.com/

http://vita-caroli.com

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Realität

Nun nimmt die Geschichte meines Protagonisten Fahrt auf: Der berühmte Abt von St. Maurice, Nantelmus, verweigert dem jungen Mann überraschend die Reiseerlaubnis: Er sei zu jung.

Carolus bekommt öffentlich einen Wutanfall, auf seine Weise, und knallt dem berühmten Kirchenmann öffentlich den Vorwurf an den Kopf, wider den Willen Gottes zu handeln. Er vergisst dabei, dass Nantelmus, wie alle Äbte von St. Maurice, direkt dem Papst unterstellt ist. Der Abt rügt ihn, aber er straft ihn nicht.

Nur wird er isoliert und von einigen seither gemieden. Er leidet wie ein vereinsamter Hund.

Aber in einer der letzten Nächte passiert etwas völlig Neues. Und er kann es sich nicht erklären. Er kann es auch andern nicht erklären. Nicht er begegnet, sondern ihm begegnet etwas, das er nicht los werden kann: Eine apparitio, eine Erscheinung trifft ihn geradezu. Und das zunächst völlig unpassend erscheinende Wort, das quasi in ihm stehen bleibt, obwohl er es am liebsten einmal vergessen würde, verschafft ihm das Gefühl, dass es da etwas Anderes gibt, als nur Ideen, Wünsche, Vorstellungen und Träume. Die Welt, die sich hier ankündigt, ist ihm nicht nur „Wille und Vorstellung“ (wie das im frühen 19. Jahrhundert durch Schopenhauer beschrieben wurde), sondern er ist mit etwas konfrontiert, mit einer neuen Ebene des Seins sozusagen, die nicht davon abhängt, ob wir sie beschreiben oder an ihr teilhaben oder teilnehmen. Wir werden, salopp gesagt, nicht schon zu Beginn gefragt, ob wir mitmachen wollen. Das „Etwas, wie Carolus“ es nennt, ist „erst mal da“. Es ist:

Realität.

Un diese Realität kündigt eine Veränderung an, die Carolus nicht erfasst. Zeitlich, ursächlich, persönlich, alles übersteigt sein Vermögen.

Es ist jedoch geschehen seither, dass Carolus einbezogen wurde in dieses „Etwas“: Irgendetwas in ihm schöpft eine Hoffnung und Zuversicht, die er vorher nicht hatte: JETZT, wo sie schon zu Ende scheint, nimmt die ganze Geschichte erst Fahrt auf. Und in dem noch einige Zeit unsichtbaren JETZT beginnen die „sieben Reisen“ seines Lebens. Und aus diesem JETZT gewinnen sie einen Teil ihres Sinns. – Geheimnisvoll, wie das Leben selbst.

Meine „Held“ hatte eine Schreib-Krise… einfach weil er eine Denk-Krise hatte. Carolus Paulus entdeckte am Sonntag „REMINISCERE“ ein Thema (siehe heutiger Blog), das ihn sehr belastete – weil es auch sehr belastend ist.

Die „klassischen“ Kirchenväter, allen voran Augustinus, haben Vergänglichkeit, Boshaftigkeit (als konstitutiver Defekt ab initio) und Zeitlichkeit einfach gleich gesetzt. Das war ein griechisch-orientalischer Gedanke. Aber er hält dem Gottesbild des Alten und Neuen Testaments nicht völlig stand. „Dieser Gott“ hat etwas revolutionär Menschliches. Und das so, dass es einen umwirft, wenn man es erstmals merkt.

Carolus kommt in dieser, seiner „Initial-Fastenzeit“, die sein Erwachsenen-Leben „gerade“ (i.e. 1247) einleitet, und die es dann über sehr lange Zeit tief inhaltlich prägen wird, diesem Gott tatsächlich näher.

Aber was er entdeckt, und man kann es diese Tage mit verfolgen, ist ein „call to action“: Sein „Umdenken (wörtlich: metanoia, was wir als „Busse“ übersetzen), ist nicht nur selbstbezogene Busse und Reue. Sein Umdenken muss und will handeln.
Seine „Busse“ will ein Erleben werden, ein Erobern.

Ihr könnt es alle mitlesen, in den kommenden Wochen bis Ostern. Auf seinem Blog: bei Carolus Paulus und der „Vita Caroli“.

 

Viel Neues

Es ist viel Neues passiert in dem Leben von Carolus Paulus in den letzten Wochen: Ganz langsam wird ihm sein eigenes Verlangen klar, mehr über die Welt, mehr über sich, und mehr über Gott zu erfahren. Hier wird, das sei schon verraten, die Geschichte ihr primäres Momentum erhalten, hier kommt Bewegung rein. Sehr bald.

So hat Carolus zum Beispiel von Ambrosius, dem Priester aus dem Oberwallis Post bekommen, er möge doch der kleinen Anna schreiben. Daraufhin „erfindet“ Carolus den Anfang eines kleinen Schulheftes, einer Art Schreib-Fibel.

Und zuletzt bewegt ihn der Beginn der Fastenzeit, und dabei vor allem das Motto des ersten Sonntages in dieser 46-Tage-Periode vor Ostern: INVOCABIT. DAs ist aber auch bewegend, und das aus sehr tiefen Gründen. Die man eben „er-gründen“ muss, um ihnen näher zu kommen. Es ist nicht alles „instant“ im Leben. Genau genommen nichts, jedenfalls nichts, was bleibt.

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Ich selbst habe kürzlich einige Tage im heutigen Kloster St. Maurice verbracht, vor allem um „dem allem“ recht nahe zu sein. Und auch um selbst „etwas Neues“ zu erleben.

Und gerade dieser Beginn der Fastenzeit, die Haltung der Mönche, die Aussagen und Inhalte ihrer Predigten, Lesungen und Gebete, das hat mich tief hineingezogen, auch in die mittelalterliche Welt. Soweit das überhaupt geht. Es ist ja nahezu nichts unmittelbar. Und alles Hinein-Versetzen ist ein Versuch.

Es ist aber schon eine andere Welt, in die man hineintritt, wenn man mehr als fünf Stunden des Tages – und allemal die „Eckstunden“, der Beginn und der Abschluss des Tages – nicht nur dem Gebet, sondern vor allem auch dem meist ruhigen Gesang des Klosters St. Maurice ausgesetzt ist oder sich sogar einbringt. Und wenn alles so zutrifft, wie wir es aus der Geschichte fest annehmen müssen, dass dort seit dem Gründungsjahr 515 über mehrere Hundert Jahre rund um die Uhr, 24/7, wie man heute sagt, GESUNGEN wurde, ein immerwährendes Lob (laus perennis) angestimmt wurde, dann kann man sich das gar nicht intensiv genug vorstellen.

Noch intensiver – nicht lauter! – ist die Gemeinschaft der Brüder untereinander. Doch diese grosse Nähe ist respektvoll.  Sie ist kein distanzloses Eindringen in die Intimität des Andern. Aber sie ist das Gegenteil von unverbindlich. Und mir fiel – aus der Zeit des anscheinenden absoluten Selbstbestimmt-Seins kommend – dieser „Übertritt“ in die gegenseitige Abhängigkeit, wenn auch nur für Tage, nicht leicht.

Zurück zu unserem Thema: Eine der ältesten Äusserungen, dies dazu gibt, stammt wohl von Salomon. Vor rund 3000 Jahren meinte er seine „Sprüche“ einleitend:

„Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne.

Geschieht etwas, von dem man sagen könnte: »Sieh, das ist neu«? Es ist längst vorher auch geschehen in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.“

Was es denn Neues gäbe, wurde auch Paulus, den wir heute unter die Apostel rechnen, auf der Agora, der „piazza del popolo“ des antiken Athen ungefähr in der Mitte des ersten Jahrhunderts gefragt, als er dort ankam. Fast besessen von Neuem schienen die damaligen Griechen gewesen zu sein, „neu-gierig“ eben.

Aeropag in Athen

In grob geschnittenen Worten zusammengefasst, bestand Paulus´ Antwort darin, dass er ihnen später vor dem Aeropag, dem Blut- und Religionsgericht der Athener, sagte, das einzig Neue sei die Auferstehung „dieses  Jesus“. Er entging einer Verurteilung dann folgerichtig, unter anderem, weil die Richter ihn für „übergeschnappt“ hielten. Schliesslich sei das ja „undenkbar“…

Ja, es ist undenkbar. Ostern, und mit ihm die Fastenzeit als seine direkte Vorbereitung, ist ein eigentlich undenkbares Fest. Niemand hätte es ja „mit Aussicht auf gesellschaftliche Akzeptanz“ erfinden können. Es ist so „neben der Spur“, für uns Heutige zumindest. Es wirft aber auch wirklich alles um, woran wir besonders heute so fest glauben – bevor wir an dieses Fest glauben, und an seinen Inhalt, und die „handelnden Personen“. Und dass es wirklich einen gibt – nicht gab, sondern gibt –  der all das wahr gemacht hat.

Wenn man das glaubt, wird eigentlich alles anders. Und es gibt nur noch Neues.

 

Anna hat geantwortet

Eine, nein gleich zwei Figuren treten nun in die Geschichte um den jungen Mönch Carolus Paulus im Jahr 1247 ein:

Erstens ist es seine kleinere Schwester Anna, die – angeregt durch ihren Bruder und ermutigt durch die Mutter – lesen und schreiben lernen will.

Und zweites ist es Ambrosius, ein Pfarrer aus dem oberen Wallis, aus der „Ecclesia Valesiana“, wie er es selsbt nennt. Er wird, für einige Zeit, das Bindeglied des jungen Mönches zu seinem Heimatort am Auslauf des Alteschgletschers.

Und mit der Antwort Annas beginnt ein im wahren Sinne bewegendes Kapitel unserer gesamten Geschichte, rund um die „Vita Caroli“: Wer wann und unter welchen Umständen „Bildung“ – und damit Selbständigkeit – in der Mitte des 13. Jahrhunderts erlangen kann, diese Frage wird nun zu einer der treibenden Kräfte der gesamten Abenteuer-Reihe.

„Annas Briefe“ wird damit zu einer Projektionsfläche eines der Hauptthemen der „sieben Reisen im Leben eines Mönches“, der Vita Caroli.

„Annas Briefe“ erschliessen die Welt der Frau im Mittelalter

Mit der Figur der „Anna“tritt eine weitere Person in das Leben des jungen Mönches „Carolus Paulus“: Es ist seine jüngere Schwester Anna, die durch einen hingebungsvollen Briefwechsel mit ihrem Bruder ihre Liebe zur Bildung und ihre Neugier auf die Welt um sie herum entdeckt.

Damit wird – neben „Vita Caroli“ – ein weiteres Experiment gestartet: Es ist der – fiktive – Briefwechsel mit der Schwester Anna: In „Annas Briefe“ beginnt die abenteuerliche Geschichte einer jungen Frau im 13. Jahrhundert, die zunächst „Bildung“ alleine durch die geniale Intuition und hingebungsvolle Liebe Ihres Bruders erfährt…

… bis sie sich eines Tages – getrieben durch das zerrissene Schicksal ihrer Familie – selbst auf die Reise ihres Lebens machen wird.

„Annas Briefe“ führt in den kommenden vier Jahren (geplant bis 2020) nach und nach in ein leidenschaftlich umkämpftes Frauenschicksal im ausgehenden 13. Jahrhundert ein. Tief verknüpft mit dem zunächst versponnenen, dann am Ende aber heroischen Lebens ihres Bruders (Reisen „Invocabit“ und – „live“ im internet – „Reminiscere“ als ersten Teil der „Vita Caroli“, der Reisen des Mönches „Carolus Paulus“) erlebt Anna Glanz und Elend des Frau-Seins im umkämpften 13. Jahrhundert – mitten in einer durch Gewalt und Intrigen geprägten Welt.

Eine Frau mit einem Gebende (Kopfbedeckung) - Darstellung aus dem Codex Manesse

„Vita Caroli“ beginnt

Mit „Vita Caroli“ beginnt am 25. Dezember die Nacherzählung der  – vorauslaufenden – Geschichte des „Helden“ von „Invocabit“.

Der junge Mönch Carolus beginnt an diesem Tag, sein Leben zu beschreiben. Er tut dies in eingeständiger Aneignung grossser Vorbilder, und in sorgfältig überlegten, kleinen Schritten. Und „Seine Zeit“ beginnt am Weihnachtsfest des Jahres 1246 im Kloster von St. Maurice im Wallis.

Und – der Vorausblick sei gewagt – seine Tagebuchaufzeichnungen münden schon in wenigen Monaten in die taggenau (in Echtzeit) erzählte erste Reise seines Lebens, die er – Jahre später – „Reminiscere“ nennen wird.

Taggenau – aber nicht täglich, denn nicht immer wird er Ruhe haben „inscriptiones“ anzufertigen – wird er dann 1260 Tage lang vom Zustand der ihm zugänglichen Welt „deutscher Zunge“ berichten: Es wird ein Deutschland-Bild in der Mitte des 13. Jahrunderts werden, das es bisher so vermutlich noch nicht gab. Weder „damals“ noch heute.

Und – „so Gott will, und wir noch leben“ – wird diese Reise, immer wenn er Inscriptiones anfertigt, Epistulae schreibt oder versucht Eventus zu erfassen, im Internet mit zu vollziehen sein.

„Vita Caroli“ ist als Titel bewusst gewählt: Er, der Mönch Carolus, wird schon in Kürze selbst erklären, wie er auf diesen Namen kam.

Wer ihm bei all dem folgen will, kann das HIER tun.